Nacktmull-Grundwissen

Nacktmulle
(Nackt|mull, der; -s, -e; Heterocephalus glaber, engl. Naked mole rat, finn. kaljurotta*)

sind Nagetiere und gehören gemeinsam mit den Graumullen (Gattung Cryptomys) und einigen weiteren Arten in die Familie der Sandgräber (Bathyergidae). Sie leben in riesigen unterirdischen Bauten in den Halbwüsten Ostafrikas, speziell im Süden Äthiopiens, in Kenia und Somalia.

Ihren Namen haben sie der Tatsache zu verdanken, daß beinahe ihr gesamter Körper mit Ausnahme von einigen Fühlhaaren (Vibrissen) vollkommen haarlos ist. Gewertet wird dies als Anpassung an ihre Lebensweise in unterirdischen Gängen und großen Gruppen. Durch ihre Haarlosigkeit können sich Parasiten auf ihren Körpern nicht ansiedeln und verbreiten.

Als weitere Merkmale besitzen die Tiere riesige Nagezähne, die sie wie Baggerschaufeln einsetzen können - etwa fünfundzwanzig Prozent der Muskelmasse eines Nacktmulls sitzt im Gebiß. Angeblich können sie sich sogar durch Beton graben. Nacktmulle haben Ohren ohne Ohrmuscheln und winzige Augen: sie sind fast blind, haben aber einen allem Anschein nach hervorragend ausgebildeten Geruchssinn. Sie besitzen kein Unterhautfettgewebe und sind vermutlich die Säugetiere, die am schlechtesten zur Wärmeregulation ihres eigenen Körpers befähigt sind.

Nacktmulle sind - allerdings mit großen Abweichungen zwischen Individuen sowie zwischen unterschiedlichen Kolonien - im Durchschnitt etwa sieben Zentimeter lang und wiegen 30 bis 70 Gramm.

Sie leben in großen Kolonien von 20 bis 300 Individuen. Die Organisation dieser Kolonien hat einige Besonderheiten, die sonst nur bei Insekten beobachtet und in ihrer Gesamtheit als Eusozialität bezeichnet werden.

Charakteristisch für Eusozialität ist eine strenge, hochspezialisierte Arbeitsteilung. Gräber sind für den Ausbau der Wohngänge zuständig und arbeiten wie am Fließband. Daneben gibt es Auswerfer, die die Erde aus den Ausgangslöchern hinauswerfen (da die Auswurfstellen wie kleine Vulkane aussehen, wird diese Tätigkeit auch volcanoing genannt) und gleichzeitig als Bewacher und lebende Feindabwehr dienen.

"Herrscherin" in einer Kolonie ist das einzige fruchtbare Weibchen, die "Königin", die immer mehrere Begatter um sich schart - üblicherweise gibt es pro Kolonie ein bis drei fruchtbare Männchen - und die Kolonie "in Schach hält". Regelmäßig patroulliert die Königin die Gänge und piesakt Arbeiter, die nicht gut genug arbeiten. Besonders bei den Weibchen hat dies eine interessante Wirkung: Durch den Dauerstress kommen die Eierstöcke der Tiere nicht zur Reife - sie bleiben steril. Erst wenn die Königin tot ist oder dauerhaft aus der Kolonie entfernt wird, kommen einige Weibchen zur Geschlechtsreife und bekämpfen sich gegenseitig, bis wieder nur eine Königin übrigbleibt.

Eine Königin kann theoretisch alle zwei bis drei Monate zwischen 15 und 18 Jungtiere (auch Würfe von mehr als 20 Jungen wurden schon beobachtet) gebären.

Die Nacktmulle sind die einzigen eusozialen Säugetiere. Die Ursachen für das soziale Verhalten sind nicht vollständig geklärt, die wahrscheinlichste Theorie sieht darin eine Anpassung an die fleckenhaft vorkommende Nahrung im Lebensraum der Tiere. Um in dem harten Boden der Halbwüsten Nahrung zu finden, müssen möglichst viele Tiere auf Nahrungssuche gehen und die gefundenen Nahrungsquellen teilen. Allerdings ist diese Theorie in letzter Zeit verstärkt in Zweifel gezogen worden.

Zudem wurde in letzter Zeit beobachtet, daß sich öfter einzelne Nacktmulle gezielt von ihrer Kolonie entfernen, um eigene Kolonien zu gründen.

Durch ihre unterirdischen Bauten in oft relativ hartem Boden sind Nacktmulle gut vor Raubtieren geschützt. Ihre einzigen nennenswerten natürlichen Feinde sind Schlangen, die in die Kolonie eindringen, insbesondere die Rötliche Schnabelnasen-Natter (Rhamphiophis oxyrhynchus).


Dieser Text basiert inzwischen nur noch lose auf dem Eintrag "Nacktmull" aus der Wikipedia, der freien Enzyklopädie, und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autor/innen verfügbar.

Weitere Quellen sind hier versammelt.

*(mit Dank an Marina M.)